Tantra Paare Jahreszyklus II
"Auf der Spur der Lust"
Erwecken der sexuellen Energie
Das ist der zweite Abschnitt des Jahrszyklus "Tantra für Paare": An diesem Wochenende kann sich die Lust sich entfalten - die Lust am eigenen Körper, die Lust an Tanz, Bewegung, und die Lust auf Berührung, die Lust auf Begegnung mit dem eigenen Partner.
Wenn wir das prickelnde Gefühl erforschen, welches entsteht, wenn der Körper voller Lebendigkeit ist, finden wir mehr Lebensfreude und Lebendigkeit. Es kann jedoch sein, daß wir auch auf alte Glaubenssätze und Hindernisse stoßen, die mitunter der Lust entgegenstehen und die es gilt, über Bord zu werfen. Die Sinne werden sensibilisiert und ein tieferer Genuß an der eigenen Lust entsteht.
Wieviel Zeit räumen wir ihr im Alltag ein? Kann sie fließen und sich verströmen oder ist sie schon geflohen? Unser Alltag mit seinen Anforderungen macht es uns nicht leicht, auf die Stimme der Lust zu hören. Sie wieder zu entdecken wird unsere Partnerschaft bereichern und vertiefen!
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"Als ich zum erstem Mal Liebe machte, überkam mich ein Gefühl tiefster Enttäuschung. Ich erinnere mich genau, denn ich hatte darauf gewartet, daß es Liebe war und es zu einem besonderen Ereignis gemacht. Ich weiß noch, daß ich mich fragte: Soll das alles sein? Und darum wird soviel Aufhebens gemacht? Es muß einfach noch mehr geben.
Obwohl ich ein sogenanntes gesundes Sexualleben entwickelte, ließ mich seit dieser ersten Erfahrung das Gefühl, daß am Sex eigentlich noch mehr dran sein müßte, nie mehr los, besonders da er mit einem solchen Tabu und so vielen Regeln und Vorschriften in Bezug auf das sexuelle Verhalten umgeben war. Sex bereitete mir immer Vergnügen, aber ich war nie in der Tiefe berührt. Nie war ich so ergriffen und fasziniert, wie ich es in meiner Vorstellung erwartet hatte.
Als mir klar wurde, daß ich oft schon Liebe gemacht hatte, ohne wirklich zu verstehen, wie die sexuelle Energie funktioniert, entschloß ich mich, die mysteriöse Materie Sex einer genauen Untersuchung zu unterziehen. Meine Hauptmotivation für diese Recherchen waren vereinzelte Momente der Liebe hier und da in meinem Leben, die sich eklatant von allen anderen unterschieden. In diesen Momenten schien die Zeit stillzustehen und elastisch zu werden. Die Luft und der Raum um mich herum weiteten sich und offenbarten mir eine neue Dimension sinnlicher Wahrnehmung. Es war, als wäre ich plötzlich wirklich lebendig, und eine innere Körperintelligenz übernahm die Führung. Ich hatte nicht die geringste Ahnung, wie und warum das geschah, aber es machte mir Hoffnung, daß am Sex etwas dran war, was ich noch nicht entdeckt hatte.
Heute weiß ich, daß ich damit nicht allein bin. In meiner umfangreichen Arbeit sind mir viele Menschen begegnet, die sich denselben Enttäuschungen gegenübersehen und die sich dieselben Fragen stellen. Genau wie ich damals fühlen sie sich in einem Zyklus gefangen, der sich bei jedem Liebemachen wiederholt und selten etwas Neues oder Kreatives an sich hat. Desinteresse und Langeweile schleichen sich ein. Manche versuchen mit sexy Kleidung oder Videos, andere mit häufigem Partnerwechsel den Sex interessant und aufregend zu halten. Aber all das ist auf die Dauer kaum befriedigend. Auch wenn ein Paar sich weiterhin liebt, stirbt die sexuelle Anziehung oft ab und sie hören auf, ihre Liebe auch körperlich zum Ausdruck zu bringen. Früher oder später trennen sich vielleicht ihre Wege. Und doch geht für uns alle die Suche nach einer Ausdrucksform der Liebe weiter, die aus einer tiefen, eigentlich nie endenden Sehnsucht gespeist wird.
Nach einigen Jahren intensiver Forschung entdeckte ich, daß mir die Erfahrung von Tantra – mich in die sexuelle Energie hineinzuentspannen anstatt Druck auszuüben – das gab, wonach ich mich mein ganzes Leben lang intuitiv gesehnt hatte. Es war, als hätte ich eine Reihe von Schlüsseln entdeckt, die eine Tür nach der anderen öffneten. Dabei offenbarten sich mir viele uralte Geheimnisse der sexuellen Energie, die meinen Geist berührten und mir einen ungeahnten inneren Frieden verliehen.
Es galt, eine völlig neue Sprache zu lernen, die für eine erhebende
Erfahrung von Sex und Liebe immer wesentlicher wurde. Diese Sprache eröffnete
mir eine neue und andersgeartete Welt, wo es keinen eingefahrenen sexuellen
Trott mehr gab, sondern Kreativität aufblühte. Ich stellte fest,
daß mir viele meiner festen Vorstellungen über Sex im Weg standen
und daß ich erst mal die alte Sprache ablegen mußte, um die neue
Sprache zu lernen. Ich brauchte viele Monate, um durch all die Mißverständnisse
hindurchzuwaten, die ich von der Gesellschaft mitbekommen hatte, bis ich schließlich
einen Ort der Entspannung weit weg vom Druck des Orgasmus fand, um den es meiner
alten Anschauung nach immer gegangen war.
Tantra bietet uns mit seinem einzigartigen und intelligenten Ansatz Antworten
und Lösungen, die uns dazu befähigen, Intimität zuzulassen und
die unsere Liebe verstärken. Und so schenkt uns die tantrische Lehre erstaunlicherweise
mehr Freude und Erfüllung, indem sie viele Spannungen beim Sex aufhebt
und uns zur Entspannung einlädt."
Aus: Diana Richardson, Zeit für die Liebe
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