Tantra Jahrestraining für Paare III
"Abenteuer Beziehung"
Freiheit und eigene Individualität
Beziehung ist ein Abenteuer: In einer Beziehung finden sich zwei Individuen, die bei aller Zugehörigkeit zum Partner ihren ureigenen Anteil bewahren (sollten). Der spirituelle Weg des Tantra fängt beim Einzelnen an, beim Individuum. Somit kann der Weg immer spannend und unvorhersehbar bleiben.
Es ist kein Zufall, daß wir genau bei diesem Partner gelandet sind. Der Partner ist Spiegel unserer selbst. Die Beziehung ist unsere derzeit größte Lernaufgabe – wenn wir es nur sehen können. Wir haben jeweils auf der seelischen Ebene, auf der wir uns selbst befinden, einen uns ergänzenden Menschen angezogen. Durch den Blick in diesen Spiegel können wir viel über uns lernen. Er spiegelt mir meine eigene Schönheit und Vollkommenheit - genauso wie meine eigene Unfreiheit und meine Schatten.
Dieser Teil des Jahrestrainings für Paare möchte ins Bewußtsein
holen: Wo im Spannungsfeld von Nähe und Eigenständigkeit gehe
ich faule Kompromisse ein (um des lieben Friedens willen)? Wo stehe ich
zu meinen Bedürfnissen und scheue auch die Auseinandersetzung nicht?
Welche Ängste werden in mir berührt, wenn der Partner zu seinen
Bedürfnissen steht? Wo kann ich mir selbst die Erlaubnis geben, Nein
zu sagen – und wo sage ich aus vollem Herzen Ja?
Dieses Wochenende ist für Paare, die bereit sind, mutig in den Spiegel
zu schauen und daran zu wachsen.
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Wenn ein Mann eine Frau liebt, dann liebt er natürlicherweise auch viele
andere Leute; oder wenn eine Frau einen Mann liebt, dann liebt sie auch andere
Menschen, denn Liebe kann sich nicht auf eine einzige Person beschränken.
Falls überhaupt Liebe da ist, kann sie sich nicht beschränken. Unproblematisch
wird es nur, wenn keine Liebe da ist.
Liebe ist wie Atmen. Wenn dir jemand erzählt: „Ich atme nur, wenn
ich mit dir zusammen bin, und den Rest der Zeit atme ich nicht“, dann
traust du ihm nicht. Wie kannst du ihm trauen? Er wäre tot, wenn er ohne
dich nicht atmen würde. Liebe ist der Atem deiner Seele.
Aber so haben wir es gemacht: Seit Jahrhunderten haben wir den Leuten diese
dummen Ideen eingepflanzt und so viel Unglück in der Welt verbreitet,
so viel Eifersucht, Besitzwut und Haß gesät – völlig
grundlos! Wir haben den Leuten diese dumme Vorstellung einprogrammiert, daß
Liebe nur zwischen zwei Personen stattfinden kann, also eine Zweierbeziehung
sein muß: „Wahre Liebe ist eine Zweierbeziehung. Wenn nicht, ist
es keine wahre Liebe...“ Genau das Gegenteil ist der Fall: Wenn es eine
Zweierbeziehung ist, dann ist es nicht die wahre Liebe. Dann ist sie unecht,
eine Vortäuschung; dann ist sie nur eine Illusion. Dann machen sich zwei
Leute etwas vor und werden sich selbst untreu – nicht nur dem anderen,
sich selbst auch!
Wie kann ein Mann, der Sinn für Schönheit hat, es vermeiden, die
Schönheit der Frauen wahrzunehmen? Und wie kann er es vermeiden, sich
für sie zu interessieren? Der einzige Weg ist, seinen Sinn für Schönheit
völlig abzutöten. Aber dann ist er auch nicht mehr an seiner eigenen
Frau interessiert. Genau das ist passiert: Wegen dieser idiotischen Vorstellung,
daß Liebe eine reine Zweierbeziehung sein muß, gibt es keine Liebe
mehr auf der Erde. Die einzige Möglichkeit ist die, daß der Mann
die eigene Frau nicht mehr liebt, denn er muß den Drang nach Liebe als
solchen abtöten; er muß jeden Sinn für Schönheit unterdrücken
und vergessen, daß es so etwas wie Ästhetik überhaupt gibt.
Aber dann – vergeßt das nicht – kann er seine eigene Frau
auch nicht mehr lieben; dann kann er nur noch so tun. Dann muß er leere,
inhaltslose Gesten machen.
Eine Frau, der gesagt wird: „Du darfst nur deinen eigenen Mann lieben
und nicht das geringste Interesse an anderen Leuten zeigen“, verliert
zwangsläufig auch das Interesse am eigenen Mann.
Deshalb verlieren Ehepaare ja auch das Interesse aneinander. Sie streiten sich
ständig; sie finden immer neue Ausreden für ihren Streit. Aber der
wahre Grund für ihre Streitereien ist, daß ihren Lebensenergien
nicht erlaubt wird, sich zu entfalten.
Die Wahrheit ist schlicht und einfach die, daß ein Mann, der sich zu
Schönheit hingezogen fühlt, an vielen Frauen Interesse hat. Eine
Frau, die Interesse an Schönheit hat, bleibt an allen möglichen Männern
interessiert. Es kann sein, daß sie sich für einen am meisten interessiert;
vielleicht so sehr, daß sie mit dieser Person zusammenleben möchte,
aber das bedeutet nicht, daß ihr Interesse an anderen Leuten einfach
verschwindet; es bleibt vorhanden. Aber wenn du mit deinem Mann oder deiner
Frau spazierengehst, und der Mann sagt: „Schau dir diese Frau an, wie
schön sie aussieht!“, dann gibt es sofort Ärger. So etwas darf
er nicht sagen! Nichts ist verkehrt daran, ja, du solltest froh sein, daß
dein Mann noch normal und lebendig ist, daß seine Reifen noch nicht völlig
plattgefahren sind. Du solltest froh sein, daß er noch jung und frisch
ist; daß er sich eine ästhetische Empfänglichkeit bewahrt hat.
Es ist nicht nötig, eifersüchtig zu werden.
Osho, Beziehungsdrama oder Liebesabenteuer
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